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Als Hausarzt bereiten mir die zunehmenden Auswüchse einer beinahe schon absolutistische Züge annehmenden „Evidence Based Medicin“ größte Sorgen. Diese sind durchaus in der Lage für unsere Patienten eine schleichende und ständig größer werdende Gefahr darzustellen.

Die dominanten Regeln einer „Eminenz basierten Medizin“ können und sollten wir uns aus mehreren Gründen nicht weiter leisten:

 

Nicht nur dass wir im Gesundheitswesen jetzt bereits an die Grenzen der Finanzierbarkeit stoßen, stellen auch die Vorgaben an „Goldstandards“, medikamentösen „Stufentherapien“ und sonstigen „Behandlungsrichtlinien“ für geschwächte und für ältere Patienten eine nicht zu vernachlässigende Belastung dar. Ganz besonders dann, wenn mehrere Erkrankungen denselben (älteren) Patienten treffen und die täglichen Verordnungslisten deshalb lang werden.

Das Aufsummieren von dauernd einzunehmenden Tabletten und anderen Therapeutika ergibt zwangläufig unerträglich lange und gefährliche Einnahmelisten. Derer Wechselwirkungen und Nebenwirkungen sind völlig unerforscht und richten mitunter mehr Schaden an als sie nützen.

Wir Ärzte können „in reinster Absicht, mit bestem Gewissen und am neuesten Stand des Wissens“ Leid verursachen, indem wir alle Regeln sklavisch befolgen, alle Vorschriften summieren und unreflektiert anwenden.

Als Hausarzt bin ich Anwalt meiner Patienten und möchte diese von den Auswüchsen einer beinahe schon religiösen Gläubigkeit an Pharmazeutika, einer lockenden Fitnessindustrie und einer schmeichelnden Diätindustrie bewahren.

Es ist zu viel!